Die ambulante Therapie von pathologischem Spielen
Therapiebausteine der ambulanten Therapie:
1. Erstgespräch und Diagnostik
Im Erstgespräch wird die Eignung des Glücksspielers für die Durchführung einer ambulanten oder ggf. stationären medizinischen Rehabilitation überprüft. Folgende Aspekte werden abgeklärt: Krankheitsverlauf und psychosoziale Folgen (Verschuldung, familiäre und/oder berufliche Probleme), Leidensdruck, Therapiemotivation sowie Veränderungsbereitschaft. Bei vorhandenen Schulden wird Hilfe bei der Schuldenregulierung gewährleistet.
Neben der Diagnostik werden die aktuelle Lebenssituation und belastende psychosoziale Faktoren erfasst.
2. Motivation
Die Motivationsphase dient der Vorbereitung der Rehabilitation. Diese dauert in der Regel drei Monate. Während dieser Zeit soll der Patient hauptsächlich von zwei qualifizierten Psychotherapeuten betreut werden. Einer von ihnen wird dem Patienten als Hauptbetreuer zugewiesen. Es finden bis zu zwei Gespräche pro Woche statt. Ein bis zwei Arzttermine sollen zu Beginn der Motivationszeit zur medizinischen Diagnostik stattfinden und später nur bei Bedarf. Die Arzttermine dienen unter anderem dazu allgemein gesundheitsbewusstes Verhalten zu fördern.
Wöchentlich findet eine spezielle Gruppe für Glücksspieler statt. Inhaltlich wechseln sich themenzentrierte und offene Gruppensitzungen ab. Die Gruppe dient auf der einen Seite der Informationsvermittlung und der Aufklärung (Rückfallprophylaxe, Rückfallbearbeitung, Umgang mit Finanzen, Geldmanagement etc.). Auf der anderen Seite ist sie im Hinblick auf Motivationsförderung, Verbesserung der Frustrationstoleranz und Erfahrungsaustausch von Relevanz. Die Angehörigen werden in die Therapie sowohl je nach Thema in der o.g. Gruppe als auch in Angehörigengespräche einbezogen. Ein angeleitetes Entspannungstraining (i.d.R. progressive Muskelrelaxation nach Jacobson) findet zu Gruppenbeginn statt. Bei Glücksspielern, die keine stoffgebundene Abhängigkeit aufweisen, findet auch eine Alkoholkontrolle statt, da kein Patient der Einrichtung, unabhängig von der Art der Suchterkrankung alkoholisiert an Sitzungen teilnehmen sollte.
Sofern der Glücksspieler für die ambulante Rehabilitation geeignet erscheint, wird nach etwa fünf Wochen der Antrag gegenüber dem zuständigen Kostenträger gestellt.
3. Rehabilitation
Die ambulante Rehabilitation dauert in der Regel 9 bis 12 Monate. Nach Indikation und individueller Therapieplanung kann sie auf 18 Monate verlängert werden. Der Schwerpunkt der Therapiezeiten liegt, aufgrund der überwiegenden Berufstätigkeit der PatientInnen, in den Nachmittags- und Abendsstunden.
Während der vierwöchigen Orientierungsphase findet ein Eingewöhnungsprozess in die Gruppen (Bezugsgruppe und themenzentrierte Gruppe) statt. Es werden Erwartungen seitens des Patienten thematisiert und ein Rehabilitationsplan mit realistischen Therapiezielen erstellt.
In der darauf folgenden Rehabilitationsphase (Dauer ca. 8 Monate) werden die Therapieziele bearbeitet. Diese Zeit dient der Selbstwertsteigerung und der zunehmenden Distanzierung sowohl gedanklich und gefühlsmäßig als auch verhaltensbezogen von Glücksspielen. Der Krankheitsverlauf wird in dem jeweiligen lebensgeschichtlichen Kontext nachvollzogen und dessen Auswirkungen auf die aktuelle Lebenssituation und auf das aktuelle pathologische Glücksspielverhalten reflektiert. Des Weiteren findet der Rehabilitand Unterstützung, emotionale Zuwendung von und Austausch mit seinen Gruppenmitgliedern. Korrektive Erfahrungen durch Konfrontation mit dem eigenen Fehlverhalten und Modelllernen sind darüber hinaus in der Gruppentherapie von Relevanz. Während dieser Zeit findet der eigentliche Veränderungsprozess statt.
In der circa vierwöchigen Ablösungsphase wird die erreichte Umsetzung der Therapieziele überprüft, Ziele werden eventuell modifiziert und gelungene Veränderungen aufgezeigt. Es erfolgt eine Vorbereitung auf die Zeit nach der Therapie; bei Bedarf wird die Rückfallprophylaxe intensiviert. Noch bestehende Problembereiche werden reflektiert und definiert, weitere Lösungswege werden besprochen und bei Bedarf eingeleitet. Zudem werden weitere therapeutische Maßnahmen und Aktivitäten im Anschluss an die ambulante Rehabilitation geplant. Eine Anbindung an eine störungsspezifische Selbsthilfegruppe und bei Indikation an einen ambulanten Psychotherapeuten wird eingeleitet.
Begleitende Maßnahmen in dieser Zeit sind Entspannungstrainings, z. B. in Form von Progressiver Muskelrelaxation, die bereits während der Motivationszeit geübt wurden. Selbstverständlich werden im Therapieverlauf begleitende Hilfen, die das soziale Umfeld oder die sozialen Verhältnisse betreffen, angeboten. Beispielsweise können bei Schwierigkeiten am Arbeitsplatz Kollegen oder Vorgesetzte in die Rehabilitation einbezogen werden.
Im Einzelfall kommt es bei Bedarf zur Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit, um den Berufseinstieg zu erleichtern.
Das ambulante Rehabilitationsangebot für pathologische Glücksspieler umfasst:
Tabakentwöhnung ist im Rahmen eines eigenen Behandlungsangebotes möglich.
Quelle: Klientenzentrierte Problemberatung – Fachambulanzen für Suchterkrankungen in Dachau und München (kpb-fachambulanz.de)